“Aber der Punk bleibt im Herz…”

 

Vor ein paar Wochen durfte ich für die APA Punknight in Aarburg fotografieren (All Pictures Copyright by M.Haltiner). Spontan kam mir die Idee ein bisschen Revue passieren zu lassen, was in den letzten Jahren so passiert ist in der  Schweizer Punker Szene. Hauptperson von diesem Beitrag ist der 35 jährige Chrigu aus Olten. Er, der diese APA Punker Nächte organisiert, kenne ich seit Jahren. Im November 2014 war er bei Robin Rehmann zu Gast und berichtete damals über sein Denken über den Staat, Arbeit und seine Vergangenheit und auch sein damaliges Leben. Das Ganze kann man sich hier anschauen.

Ich glaube ich rede in seinem Sinn, wenn ich sage, dass sich auch in den letzten drei Jahren nochmals grosse Schritte in seinem Leben getan haben. Unter anderem, dass er nun unter dem Label “Lovis Connection” Punkrock Konzerte veranstaltet, sich mehr und mehr dem “normalen” Leben anpasst. An seiner Lebenseinstellung habe sich eigentlich nicht viel verändert, jedoch am Leben als Punk sehr viel. Er verdient mittlerweile seinen Lebensunterhalt mit verschiedenen Jobs und hat sich einen Lebensstandart angeeignet, wie er es sich eben gewünscht hat und nun auch zufrieden ist. Die Haare sind noch bunt, aber die Zeiten von “Ich scheiss auf die Arbeit” seien vorbei. Im Herzen werde er wohl immer Punker bleiben. Man muss sich ja äusserlich auch nicht darüber definieren, was man im Herzen trägt.

Ich habe Chrigu über ihn als Veranstalter ein bisschen ausgefragt, was seine Träume, Wünsche oder einfach Ziele sind. Wenn man ein Hobby hat, das sehr viel Zeit der Freizeit in Anspruch nimmt, wünscht man sich halt auch, dass man irgendwann vielleicht davon Leben kann. “Den Job als Maler an den Nagel hängen & vollzeit Konzertveranstalter sein” da sähe er sich am Liebsten in fünf Jahren. Oder wie es so bescheiden sagt “Es wäre schön.” Mich nimmt es auch wunder, was sich in den letzten Jahren an den Punkkonzerten verändert hat. Chrigu meint, dass vor allem die Gagen steigen. Bands wie Dritte Wahl oder auch WIZO gehören zum älteren Semester, die einst als “Komm lass uns eine Punkband machen” anfingen und nun davon Leben können. Noch grössere Bands, wie die toten Hosen zum Beispiel, füllen grosse Hallen und verlangen Gagen, die sich kleine Konzertveranstalter nicht unbedingt leisten können. Für Chrigu wäre es ein grosser Traum die toten Hosen mal in der Schützi zu haben. Er fände aber schon Broilers, Feine Sahne Fischfilet oder Betontod als realisierbar und so wie ich ihn kenne, würden auch da seine Augen leuchten. Aus seiner Aussage “Der Moment wenn der Hauptact auf die Bühne kommt, die Halle gut gefüllt ist und du siehst wie die Leute abgehen und lachen, gibt mir Kraft und Mut den Weg als Konzertveranstalter so weiterzumachen.” spüre ich die Leidenschaft, die er durch diesen Job an den Tag legt. Solche Momente bringe einem näher und es entstehen viele schöne Kontakte und Freundschaften mit Bands, die immer wieder gerne kommen. Für Chrigu ist auch die Musik sehr wichtig, auch wenn ich ihn meistens an den Konzerten irgendwo herumschwirren sehe, aber er geniesse es auf seine Art. Für Musikbegeisterte wie er, ist die Magie des Punkrocks noch genau so da wie früher, halt einfach ein bisschen auf einer anderen Ebene; man wird älter und Jüngere “übernehmen das Zepter”. So ist er nun direkt an der Front und nicht mehr nur der Biertrinkende, Johlende in der ersten Reihe. Hinter der Organisation steckt ein Knochenjob, der viel Zeit in Anspruch nimmt aber eben, wie er erwähnt “sich für solche Momente der Freude lohnt”.

Am ersten Wochenende im August findet in Olten zum ersten Mal das OltenAir statt. Chrigu ist mit im OK. “Auch wenn es halt nicht Punk ist” freue er sich sehr darauf und fügt gleich hinzu “Nächsten Winter möchte ich aber die Idee von einem zweitägigen Punk Festival in der Schützi umsetzen.” Ich bin gespannt, was aus der Idee wird und hoffe dass Chrigu sich vielleicht einen Traum, was Bands buchen betrifft, erfüllen kann.

Ein ganz anderes Thema nebst dem Konzertveranstalten und zudem auch ein Schritt den er wohl vor fünf Jahren nie und nimmer in Erwägung gezogen hätte, ist die Wahl in den Gemeinderat Olten. Obwohl er sagt, dass dies auf seiner To-Do Liste stand und er das einfach einmal im Leben gemacht haben wollte. Die Idee als Stadtrat zu kandidieren, warf er über den Haufen, als seine Kollegen vom Coq d’or mit der Idee kamen, mit dem Zusammenschluss “Olten Jetzt!” frischen Wind in die Oltner Politik zu bringen. Chrigu selber sieht darin Chancen, da diese Vereinigung Leute aus ganz verschiedenen Schichten beinhaltet. Auch das halt eigentlich allen die Kultur von Olten am Herzen liegt. Sein persönliches Ziel wäre, “dass in erster Linie die Politik in Olten mal hinterfragt wird und die Politiker mehr Stellungnahmen abgeben müssen” und dass sie als “Olten Jetzt!” drei Sitze im Gemeinderat bekommen.

Ein weiterer sehr interessanter wie auch berührender Artikel über Chrigu kann man hier nachlesen. Unter anderem berichtet er über seine Erlebnisse mit dem Streetsoccer Team und die Nominierung für den Sozialpreis des Kantons Solothurns.

Ich bin gespannt, was Chrigu noch alles so für Ideen realisieren kann und freue mich auf weitere APA-Punknächte und wünsche ihm alles Gute!

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